Am Wochenende des 28. und 29. Januars fand die erste Sneakerness des Jahres 2017 statt, die gleichzeitig auch die erste ihrer Art in Düsseldorf war. Somit haben sich die Veranstalter der größten Sneakereventreihe Europas die dritte deutsche Stadt nach Köln und zuletzt Berlin ausgesucht, um einen Treffpunkt für tausende von Sneakersammlern und -liebhabern bereitzustellen.
Aber nicht nur die Wahl der Stadt war ein Novum, denn im Gegensatz zu den vergangenen Veranstaltungen hat sich die Sneakerneass diesmal mit einem Partner zusammengetan, um dieses Event gemeinsam zu präsentieren. Die Streetstyle Con, die sich selber als Urban Lifestyle Convention betitelt sollte den Gegenpart zu dem reinen Turnschuh-Thema darstellen und hat dabei auf ganzer Linie versagt.

Von ‘Streetstyle’ und ‘Urban Lifestyle’ war hier kaum etwas zu spüren, was nicht nur daran lag, dass sich gefühlte 90% der Besucher hauptsächlich für die zum Verkauf angebotenen Turnschuhe interessiert und die Streetstyle Con-Area weitestgehend gemieden haben. Hier kamen viele Faktoren zusammen, von denen hier nur ein paar genannt sein sollen. Zum einen war die Wahl der Venue nicht die beste, da es sich um eine recht ungemütliche und große Halle handelte, die über keine besonders einladende Atmosphäre verfügte. Es war mehr so die Art Location, wo am Wochenende Parties von großen Radiosendern stattfinden, die als Hauptsponsor einen Biermischgetränk-Hersteller haben und wo sich am Einlass die 16jährigen Partypeople mit ihren Muttizetteln an die Kasse drängeln. Der Eindruck hat sich vor allem nach einem Besuch der Toiletten verstärkt, wo es mittags schon aussah wie in einer Großraumdisko morgens um 5 Uhr. Die Hälfte der Pissoirs waren defekt (das eine Damen WC war sogar komplett gesperrt), die Papierhandtuchspender eingeschlagen (von Papier war eh keine Spur zu sehen) und auch sonst bot sich ein Bild der Verwüstung.
Aber auch inhaltlich hat man sich im Streetstyle Con-Bereich, der ca. 2/3 der Fläche einnahm, wundern müssen, was im Verständnis der Veranstalter unter den Begriff Streetstyle fällt. Klar, Streetsoccer- und Streetballflächen machen noch Sinn (auch wenn sie kaum besucht waren) und natürlich ist eine Halfpipe (wo noch am meisten los war) absolut legitim. Aber Stände von Handyherstellern, Pokemon, Piercingschmuck und Glühbirnen (!) wirkten doch eher befremdlich. Kein Wunder, dass sich in der dazwischen gelegenen und extra als solche ausgewiesenen “Influencer und VIP Lounge” kaum jemand aufgehalten hat. Aber das war nicht alles, was die Streetstyle Con ausgemacht hat. Es gab auch u.a. Stände vom Defshop und obskure Flächen, an denen Brands wie Hood By Air, Off White oder Marcelo Burlon verkauft wurden. Das hatte allerdings eher den Charme einer Verkaufsmeile an einem Touristenort, wo einem in ähnlicher Weise diverse Waren feil geboten werden.
Die Macher der Urban Lifestyle Convention waren auch für das Rahmenprogramm zuständig und so gab es eine recht große Bühne, auf der im Laufe der Veranstaltungstage Acts wie DMC von RUN DMC, Afrob und Megaloh performt haben und sonst von DJs, Breakdancern und sonstigen Showacts bespielt wurde. DMC war dabei auch das Highlight am Samstag und konnte die meisten Messebesucher kurz vor Toresschluss vor die Stage locken und mit einem soliden Auftritt begeistern.

Kommen wir aber nun zu den positiven Seiten. Wobei man im Grunde genommen auch von EINER positiven Seite sprechen kann, nämlich der Sneakerness selber. Im Gegensatz zu der restlichen Fläche, tummelte sich hier das zahlreiche Volk der der Sneakerbegeisterten und war auf der Jagd nach Steals und Grails. Es waren nicht so viele Privatverkäufer und Stores mit ihrem Stand anwesend wie z.B. in Köln, aber das tat der angenehmen Stimmung und dem bunten Treiben keinen Abbruch. Wie in Köln bot das Praise Mag auch wieder eine Chill Out Area als Anlaufpunkt an, diesmal aber nicht in Zusammenarbeit mit uns, sondern mit unseren Freunden vom Verband der botanischen Gärten. Hier war auch für die meisten Besucher die Anlaufstelle, um gemeinsame Bekannte und Freunde zu treffen, das ein oder andere Getränk zu sich zu nehmen und sich über Sneaker und Streetwear auszutauschen. Das gab der ganzen Veranstaltung zum Glück ein wenig “Normalität” und lies den Streetstyle Con-Anteil angenehm in den Hintergrund treten.

Abschliessend lässt sich sagen, dass sich die Sneakerness keinen Gefallen damit getan hat, dieses Event zusammen mit der Streetstyle Con zu präsentieren. Sie ist erfahren und professionell genug, ohne einen solchen Partner aufzutreten, mit dem sie im schlechtesten Fall in einen Topf geworfen wird.
Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf die nächste Sneakerness, die hoffentlich auch “nur” Sneakerness sein wird, oder zumindest mit einem Partner auf Augenhöhe auftreten wird

  • DSC_5499
  • DSC_5546
  • DSC_5553
  • DSC_5648
  • DSC_5674
  • DSC_5850
  • DSC_5865
  • DSC_5874
  • DSC_5885
  • DSC_5539
  • DSC_5504
  • DSC_5571
  • DSC_5711
  • DSC_5868
  • DSC_5552

All pics by Antoine Haspel / IG: @eniotnv